Die Auszeichnung, die die Jury aus Chefredakteuren und Testern von elf europäischen Segelsport-Magazinen an die besten und interessantesten Neuheiten der Saison vergibt, gilt mittlerweile für europäische Yachtproduzenten als bedeutendste Ehrung. Allein die Nominierung für die Shortlist ist schon ein herausragender Erfolg. Bisher wurden die Segelyachten in fünf Kategorien beurteilt: Monohulls bis 10 Metern, bis 12, bis 14 und über 14 Metern Länge und Mehrrumpfyachten. Jetzt wird erstmals nicht mehr nach Größe, sondern nach Konzeption und Marktorientierung gewertet. Damit will der Wettbewerb dem Trend nach mehr Spezialisierung und Polarisierung im Yacht-Design Rechnung tragen.
So wurden jeweils fünf spannende Yachten in den vier neuen Kategorien nominiert: Bei den Cruisern wurden Fahrtenyachten in punkto Komfort, Raumangebot und Preis- / Leistungsverhältnis bewertet. Bei den leistungsorientierten Performance-Cruisern zählten Segeleigenschaften, Deckslayouts und Handling. Luxus-Cruiser punkteten mit überzeugender Optik, Konzeption und Qualität der Umsetzung. Und last but not least gab es eine eigene Kategorie für Spezial-Yachten, mit denen die Hersteller etwa dem neuen Trend zum reinen Daysailer Rechnung tragen oder sonstige ungewöhnliche Ideen umsetzen. Die Sieger und die weiteren Yachten, die für „Europas Yacht des Jahres“ nominiert worden waren, werden hier kurz vorgestellt.
Universell – Cruiser - Sieger und European Yacht of the Year: Beneteau Oceanis 31
Bei den Cruisern nominierte die Jury in diesem Jahr vor allem eher kleinere Yachten, Einsteigermodelle: Gerade in diesem Segment wächst der Markt derzeit stark. Ausnahme: Die Bavaria 43 Cruiser, die sicher auch im Charter-Bereich stark nachgefragt werden wird.
Sieger Beneteau Oceanis 31 – Die kleinste Fahrtenyacht des französischen Herstellers, 9,66 Meter lang, ist ein attraktives Schiff für Einsteiger zum günstigen Preis. Sie ist leicht zu handeln, hübsch anzuschauen, segelt gut und bietet mit zwei Kabinen und sinnvoller Raumaufteilung unter Deck genug Platz für einen komfortablen Törn mit kleiner Crew.
Bavaria 43 Cruiser – Die größte deutsche Sportbootwerft hat mit der 13,10 Meter langen Yacht das erste Modell unter neuem Management präsentiert. Das Deck wurde flacher, ergonomischer und aufgeräumter, der Innenraum im Design deutlich innovativer. Traditionelle eher runde Formen wichen einer eher von rechten Winkeln geprägtem modernen Einrichtung.
Delphia 26 Sport – Die kürzeste Yacht im Wettbewerb misst nur 7,80 Meter Länge und ist für Küsten- und Binnengewässer, mit Schwenkkiel auch für Reviere mit geringer Wassertiefe konzipiert. Die polnische Werft hat sich im Kleinkreuzer-Bau längst einen Namen gemacht. In ihrer Klasse überzeugt die Delphia mit viel Raum und guten Segeleigenschaften.
Jeanneau Sun Odyssey 30i – Auf nur 8,90 Metern bietet der zweite Cruiser aus Frankreich im Wettbewerb jede Menge Raum zu einem günstigen Preis. Mit gegenüber dem Vorgängermodell verlängertem Mast und mehr Segelfläche segelt die Sun Odyssey agil, innen sorgt eine Falttür zwischen Salon und Vorschiff für Raumgefühl, und in der Nasszelle kann die Dusche sogar separiert werden.
Southerly 32 – Deckssalon und Schwenkkiel kennzeichnen die Southerly-Yachten des britischen Herstellers Northshore, bei der S32 haben die Designer dies auf weniger als 10 Metern Länge umgesetzt. Helles Interieur mit viel Licht, leichtes Handling mit Selbstwendefock, viel Stauraum im Cockpit, gute Segeleigenschaften und ein breites Heck mit zwei Ruderblättern sind die Merkmale der neuen S32.
Schnell – Performance-Cruiser - European Yacht of the Year: Arcona 430
Bei den nominierten leistungsorientierten Performance-Cruisern dominiert die Klasse von 43 bis 45 Fuß Länge – mit der Salona 34 schaffte nur eine kleinere Yacht den Sprung in den Wettbewerb mit den größeren Konkurrenten.
Sieger Arcona 430 – Die elegante Schwedin wird in Kleinserie hergestellt. Traditionelle schwedische Bauqualität wurde hier mit schöner Optik kombiniert. Das schlanke Schiff trägt am Wind rund 130 Quadratmeter Segelfläche. Bei der Aufteilung im Salon hat der Kunde die Wahl zwischen Längs- und U-Pantry. Bei drei Kabinen und zwei Nasszellen steht auf der Arcona Komfort nicht im Widerspruch zur Leistung.
Beneteau First 45 – Der Cruiser-Racer First 45 wird auf Wettfahrten nach IRC die Erfolgsserie der First-Serie auf den Regattabahnen sicher fortsetzen. Die Werft bezeichnet die First 45 mit Understatement als„völlig neue Art von Cruiser“ mit der perfekten Balance aus Stil, Power und Sicherheit bzw. als Tourenyacht mit rassiger Linienführung, innovativem Rumpfdesign und einfachem Handling für den perfekten Segelspaß – pfiffiges modernes Interieur inklusive.
Dufour 45 – Neues Cockpit-Design, hinten offen, schlanke Linien – Dufour hat die Performance-Linie mit der neuen Dufour 45, die es mit drei und vier Kabinen gibt, konsequent weiterentwickelt. Das Rigg ist als Club- und als Fastnet-Version zu haben. Die Yacht begeistert durch Speed – und unter Deck durch schiffige Eleganz im klassischen Stil.
Salona 34 – Die kleine aus Kroatien wirkt durch ihre Linien und das offene Cockpit schon äußerlich größer. Groß ist sie auch in ihrer Performance. Die Werft kombiniert Qualität, Komfort und Leistung auch noch mit einem günstigen Preis.
Finngulf 43 – Edel und gar nicht billig – die Finngulf 43 aus dem hohen Norden wurde von Farr Yacht Design gezeichnet. Rumpf und Deck sind komplett aus Epoxid gefertigt. Die Segelfläche am Wind beträgt knapp über 120 Quadratmeter.
Konzeptionell – Luxus-Cruiser - European Yacht of the Year: XC45
Sieger XC 45 – Mit Cruiser-Racern hat sich X-Yachts aus Dänemark in der Regatta-Szene einen Namen gemacht, mit der XC 45 startet die Werft erstmals eine Fahrtenyachten-Serie. Auch X-Yacht-Fans lieben es mit zunehmendem Alter bisweilen komfortabler. Sinnvolle Details von der hydraulischen Badeplattform bis zur elektrischen Ankerwinsch sind schon als Standard inklusive. Typisch X-Yachts: Auch der Cruiser bleibt vom Anspruch her sportlicher als die direkte Konkurrenz.
Bordeaux 60 – Hersteller CNB, Mitglied der Beneteau-Gruppe, ist eine bekannte Größe in der Superyacht-Szene. Die Bordeaux 60, eine Semi-Custom-Yacht, ist elegant, temperamentvoll und leicht zu handeln, optisch schon eine kleine Superyacht. Philippe Briand hat das Schiff gezeichnet. Für das helle, luftige Interieur, das gleichzeitig modern und luxuriös stilvoll ist, ist Hugon Couédel Design verantwortlich.
Moody 45 DS – Als Hanse Yachts die traditionelle Marke Moody übernahm und die Moody 45 DS als völlig neues eigenständiges Projekt vorstellte, wurde das Konzept selten hitzig diskutiert: kantiger Aufbau, festes Bimini, ein Cockpit, das eher an einen Kat erinnert! Dufour hatte ein ähnliches Konzept mit der Atoll verfolgt – viele Segler schätzten diese als zwar „nicht schön, aber ideal für die Kombination aus Lebensraum und guten Segeleigenschaften.“ Die Moody 45 DS bietet mehr Luxus, einen hohen Anspruch – Prototyp einer völlig neuen Linie.
Najad 505 – Center-Cockpit und innovatives Design zeichnet die schöne Schwedin aus. Vor allem auf die gelungene Optik sind die Designer stolz.
Sweden Yacht 40 – Sportlich, elegant und typisch schwedisch: Die skandinavischen Bootsbauer bieten hohe Qualität, traditionellen Komfort und Segelspaß, bei einfacher Bedienung mit Selbstwendefock.
Speziell – Spezialyachten - European Yacht of the Year: Saffier 26
Unter den speziellen Yachten, die für Europas Yachts des Jahres nominiert sind, finden sich Daysailer – und segelnde Cabrios.
Sieger Saffier 26 – Retro-Optik mit klassischen Linien und Segelspaß bietet die holländische Werft Saffier Maritieme mit der Saffier 26, konzipiert für Individualisten und Puristen. Die Crew bleibt nah am Wasser, alle Fallen, Schoten und sonstige Leinen laufen am Steuerstand zusammen, ein modernes Unterwasserschiff sorgt für Speed. Einbaudiesel, zwei Kojen und optionales Zubehör machen den hübschen Daysailer tourentauglich.
Biehl 8.8 – Eleganz für Freunde klassischer Linien und leicht beherrschbare, lebendige Performance prägen die Biehl 8.8, einen Daysailer aus dem deutschen Flensburg. Georg Nissen hat das Boot gezeichnet, für ein bisschen Komfort bei gelegentlichen Übernachtungen ist gesorgt. In erster Linie aber ist die Biehl für den unmittelbaren Segelspaß gedacht, einhandtauglich, schnell und schön.
Kaidoz 31 – Aus Frankreich kommt das segelnde Cabrio – ein Stoffverdeck ersetzt den Kabinenaufbau, ohne Verdeck wird offen und sonnig mit einem wahrhaft riesigen Cockpit gesegelt. Bis zu 12 Personen können beim Tagesausflug mitsegeln, küstennah noch sechs. Eine Wohneinrichtung gibt es auch – differenzieren kann der Kunde mit einem Discovery Pack, einem Lux Pack und einem High Tech Pack.
Esse 990 – Die Esse 990 ist Nachfolger der erfolgreichen Esse 850, die in der Schweiz für die dortigen Binnenseen optimiert entwickelt wurde - ein bildschöner eleganter Daysailer mit Rodriff, viel Carbon, Einbaudiesel, zwei Kojen und Liftkiel für flachere Regionen. 67 Quadratmeter Segelfläche am Wind treiben das Boot an.
Truc 18 Cabrio – Aus Italien kommt die Truc 18 Cabrio, die mit einem einfach zu segelnden Catrigg ausgerüstet ist. Das Sonnendeck lässt sich öffnen und mit einer großen Sprayhood schützen – schon hat der 18-Füßer eine Kajüte mit zwei Kojen.